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Das Calumed-Refugium : Medicine Lodge

Abseits der Autobahn, fern von Stromleitungen und Einkaufszentren, vorbei an Wäldern, Feldern und wenigen Häusern, ein Stück in die namenlose Seitenstraße hinein, dann mitten im Wald taucht es auf: das Calumed–Refugium. Dort etwas abgelegen, fast unauffällig liegt am Rande des großen Grundstücks die Medicine Lodge, ein Platz an dem sich neben einem Erdhaus ein Medizinrad, eine Schwitzhütte sowie ein Wunschbaum befinden. Die Lodge ist ein Platz, der erinnern soll: an das Leben und Heilen mit der Natur, die uns lehrt, dass das einzig Beständige der Wandel ist und dass die Einsicht in das Prinzip der gegenseitigen Abhängigkeit für den Menschen und die ihn umgebende Natur überlebenswichtig ist. Und es ist ein guter Ort, um sich aus traditioneller Sicht mit ökologischen und ökotherapeutischen Fragen zu beschäftigen.

Das Medizinrad

Big Horn Medicine Wheel Wyoming Zwischen Sheridan und Lovell in Wyoming / USA, am Wyoming Highway 14 A auf ungefähr 3.200 m Höhe über dem Meeresspiegel liegt, von felsigen Vorsprüngen und Spalten umgeben, das von den Indianern Nordamerikas als Heiligtum verehrte Medizinrad. Wahrscheinlich zwischen 1200 und 1700 n. Chr. erbaut, wurde es 1970 zur nationalen historischen Sehenswürdigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika erklärt. Es ist kreisförmig angelegt und hat einen Umfang von etwa 75 Meter mit einem zentralen Steinhügel, von dem 28 Speichen zum äußeren Rand hin abgehen. Viele Legenden versuchen die Entstehung des Medizinrades zu erklären, doch gibt es keinerlei konkrete Hinweise, denen entnommen werden könnte, wann oder durch wen diese ungewöhnliche Stätte geschaffen wurde. Klar ist nur, dass dieser archäologisch und geschichtlich bedeutsame Ort im Verlauf der letzten Jahrhunderte von vielen Menschen aufgesucht wurde und immer noch aufgesucht wird.

Medizinrad im Refugium Nach Auffassung der nordamerikanischen Ureinwohner verkörpert der Kreis die Essenz des Lebens. So angelegt, dient das Medizinrad zur Visionssuche, als Ritual- und Gebetsplatz, es dient der Heilung und der Verbindung mit dem Großen Geist und es gilt als ein Ort, an dem starke spirituelle Medizin erlangt werden kann. Im Rahmen der Eröffnungszeremonie des Refugiums im Oktober 1993 baute Sundance Chief Larson Medicinehorse vom Stamm der Crow Indianer aus Montana/USA zusammen mit Calumed-Gründer Dieter Jarzombek und zahlreichen Gästen eine Nachbildung des großen Medizinrades in Wyoming. Getreu der Weisheit "Das Kleine entspricht immer dem Großen" wurde und wird auch das Medizinrad im Refugium seitdem von zahlreichen Menschen als Kraftplatz verstanden und besucht. Jeder Stein des Kreises steht für einen Besucher, für ein Gebet und für den Wunsch, in Harmonie mit der inneren und der äußeren Welt leben zu können.

Die Schwitzhütte

Schwitzhütte im Refugium Die Bezeichnung Hütte scheint etwas mißverständlich – denn tatsächlich handelt es sich nicht um eine Hütte, sondern um ein mit Decken zugehängtes und so verdunkelbares Gerüst aus Weidenzweigen oder Haselnussruten. In der Mitte dieser Hütte befindet sich ein Erdloch, in das die Feuerleute die in einer nahegelegenen Feuerstelle erhitzten Steine hineintragen. Nachdem die Hütte geschlossen wurde, werden die meist noch glühenden Steine - unserer Sauna nicht unähnlich - mit Kräutern bestreut und mit Wasser übergossen. Traditionellerweise dienten Schwitzhütten der Reinigung des Körpers oder der Vorbereitung auf die Jagd. Darüber hinaus wurden sie zur Pflege der Gemeinschaft, für Gebet und Heilungsrituale genutzt und auch dafür, an die Bedeutung der Natur für das Leben und Überleben von Mensch und Tier zu erinnern.

Der Wunschbaum

Das Wünschen ist ein kaum wegzudenkender Teil unserer persönlichen Entwicklung. Wir wünschen uns selber oder für andere, dass sich die Dinge in eine bestimmte Richtung entwickeln, dass die herbeigesehnten Ereignisse eintreten mögen oder wir von negativen Entwicklungen verschont bleiben. Wünsche sind Teil unserer Alltagskommunikation und häufig auch Gegenstand und "Motiv" stiller Gedanken. Im Wunsch vereinigt sich die Hoffnung auf Erfüllung mit der Befürchtung, es könne eben doch anders kommen. Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn sich in verschiedensten Kulturkreisen Rituale und Mythen herausgebildet haben, die das individuelle Wünschen gewissermaßen öffentlich machen und damit erleichtern. Ein solcher Mythos ist die Idee des Wunschbaums.

Wunschbaum im Refugium Wunschbäume gibt es in zahlreichen Kulturen. In Ländern wie Indien, Japan und China aber sind sie Bestandteile alter Tradition, werden also von vielen Menschen regelmäßig und nicht nur im Rahmen zeitlich begrenzter Aktionen aufgesucht. Die jeweils gültigen Überlieferungen und Rituale, auch die Frage, unter welchen Umständen denn ein Wunsch in Erfüllung gehen kann, sind unterschiedlich. Gemeinsam ist aber der Hintergrund: Respekt vor der Macht und Magie der Bäume und die Vorstellung, dass die Bäume als Vermittler und Verstärker schicksalhafter Prozesse dienen können. In Indien und Japan finden sich Wunschbäume auf dem Boden von Tempelanlagen, sind also Element eines spirituell geprägten Alltagslebens. Der eigentliche Ursprung der Wunschbaum-Symbolik liegt wohl in der hinduistischen Mythologie, die ihn als magischen Baum darstellt, mit Ästen, die weit in den Himmel greifen und dessen Wurzeln die ganze Welt umfassen. Er ist damit ein Mittler zwischen Himmel und Erde, die Projektion einer natürlichen Verbindung zwischen der Einzelseele und ihrem göttlichen Ursprung. Der Wunschbaum erinnert an diese Verbindung und erleichtert damit das Wünschen.

Das mag wohl auch einer der Gründe dafür sein, dass manche Besucher des Refugiums mit ihren Träumen, Sorgen, Hoffnungen oder Gedanken zu unserem Wunschbaum gehen. Eine mächtige alte Eiche, deren Äste sich schützend über das Medizinrad legen. Dort bringen sie an einem der Zweige ein buntes Band als sichtbaren Ausdruck ihrer Wünsche an, die der Überlieferung nach spätestens, wenn das Band wieder zu Boden fällt, in Erfüllung gehen.


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